Die Cauber Madonna
Die um
1420 von einem unbekannten rheinischen Meister
geschaffene "Cauber Madonna" ist eines der
bedeutendsten Werke dieser Epoche.
Sie ist 135 cm hoch,
aus Lindenholz geschnitzt und gefasst. Die Farbe des
Gewandes ist weiß mit goldenen Borten und Saum. Das
Mantelfutter ist azurhitfarben gehalten, Kronenkranz und
Sockel sind zinnoberrot.
Die Madonnenfigur wurde
höchstwahrscheinlich schon nach Einführung der
Reformation in der Kurpfalz und damit auch in Kaub, also
um 1560, aus der Kauber Pfarrkirche entfernt. Nach dem 1.
Weltkrieg tauchte sie in Frankfurt am Main wieder auf.
Das Hessische Landesmuseum in Kassel hat die Madonna 1924
von dem Frankfurter Kunsthändler Zerner käuflich
erworben. Seit dieser Zeit ist sie in den Schauräumen
des Landesmuseums ausgestellt.
Verschiedene Bemühungen,
u. a. von Pfarrer Peter Urlichs in den fünfziger Jahren
und in jüngster Zeit durch den Heimat- und Kulturverein
Kaub, die Madonna wieder nach Kaub zurückzubekommen,
sind gescheitert.
Das Hessische
Ministerium für Wissenschaft und Kunst teilte dem Heimat-
und Kulturverein auf entsprechende Anfrage mit, dass ein
Verkauf der Madonna nicht in Frage kommen kann, da sie
ein zentrales und unverzichtbares Exponat der Sammlung
mittelalterlicher Plastik im Hessischen Landesmuseum
Kassel ist.
So hat man seitens des
Heimat- und Kulturvereines angeregt, eine Nachbildung der
Madonna schaffen zu lassen. Hierfür wurde eine beträchtliche
Geldsumme aus dem Vereinsvermögen zur Verfügung
gestellt. Auch zahlreiche Spenden von verschiedenen
Institutionen, Bürgern unserer Stadt sowie Freunden und
Förderern des Vereins haben es ermöglicht, einen
namhaften Künstler für dieses Vorhaben zu gewinnen. Es
handelt sich hierbei um den Bildhauer Wieland Graf aus
Eichstätt, der aufgrund seiner bisherigen Tätigkeit
bestens mit der Materie vertraut ist.
Mit Herrn Graf und Prof.
Dr. Schmidberger, dem Sektionsleiter des Hessischen
Landesmuseums in Kassel, wurde vereinbart, dass die
Madonnenfigur vor Ort, also im Museum, gefertigt werden
konnte. Dies geschah mit Hilfe eines besonderen Punktmessverfahrens,
wodurch eine hundertprozentig originalgetreue Kopie der
"Cauber Madonna" geschaffen wurde. Lediglich
die Krone, die bei dem Original abhanden gekommen ist,
wurde rekonstruiert und ergänzt.
Der Kasseler Museums-Restaurator,
Herr Winfried Schurm, erklärte sich dankenswerterweise
bereit, die Fassung der Madonna vorzunehmen. Somit wurden
alle Vorbedingungen erfüllt, um eine optimale Replik der
"Cauber Madonna" zu erhalten.
Während eines
feierlichen Dankgottesdienstes am 24. Oktober 1998 wurde
die Madonnenfigur der katholischen Pfarrgemeinde Kaub übergeben
und von Pfarrer Königstein gesegnet.
Dieses neu geschaffene,
wohl nicht unbedeutende Kunstwerk hat nun einen würdigen
Platz in der Kath. Pfarrkirche St. Nikolaus zu Kaub
gefunden.
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